Bischof Johann Michael Sailer Standbild, 1868,
in Regensburg

Beide sind nicht in der Walhalla zu finden: Weder der im 19. Jahrhundert beliebte und geschätzte Johann Michael Sailer, Bischof von Regensburg, noch der zur damaligen Zeit ebenso bekannte und erfolgreiche Bildhauer Professor Max von Widnmann.

König Ludwig I. von Bayern gab 1868 bei Widnmann die überlebensgroße Bronzestatue für den von ihm sehr geschätzten Bischof Sailer in Auftrag. Die Kosten von Herstellung bis hin zu Transport und Enthüllung beliefen sich auf rund 11.477 Gulden. Davon gingen – laut Vertrag zwischen Professor Widnmann und seiner Majestät König Ludwig I. – 1500 Gulden an den Bildhauer. Dem Vertrag ist auch zu entnehmen, dass das Standbild 10 Fuß hoch sein soll, das heißt 2,9186 m hoch und die Plinthe (also die Platte, auf dem das Standbild steht) soll 6 Zoll hoch sein, das entspricht zirka 14,4 cm.

König Ludwig verstarb in Nizza

König Ludwig I. kehrte von seiner Nizzareise 1868 nicht mehr zurück, er starb dort am
20. Februar. Mit seinem Tod wurden – so notierte Widnmann in seinem Erinnerungen – alle künstlerischen Aufträge eingestellt. Seine Arbeit an Sailer war bereits fertig, ja das Denkmal war sogar bereits in Erz von Ferdinand von Miller gegossen. Es fehlten lediglich die Gelder für die Aufstellung in Regensburg, „bis es endlich von Miller mit aller Mühe, ich weiß nicht auf welchem Weg, dahin brachte, dass die Statute aufgestellt werden konnte“, so schrieb Widnmann in seinen Erinnerungen.

Die Arbeit wurde am 20. Mai 1868 feierlich am nördlichen Emmeramsplatz enthüllt. Anwesend waren neben Ignatius von Senestréy, Bischof von Regensburg und hochrangigen anderen Priestern, königliche und städtische Behörden, Offiziere und zahlreiche Bürgerinnen und Bürger. Zur Feier sangen auch die Zöglinge des
St. Emmeram-Seminars.

Im Zweiten Weltkrieg sollte die Bronzestatue aus Kriegszwecken am "Glockenfriedhof" in Hamburg eingeschmolzen werden, doch das blieb aus. Seit 1951 befindet sich das Denkmal in den Parkanlagen in Bahnhofsnähe, in der Fürst-Anselm-Allee.

Wer war Johann Michael Sailer?

Johann Michael Sailer war ein bedeutender Theologe, Schriftsteller und Kirchenmann. Auch war er der Erzieher und später Berater von König Ludwig I. von Bayern, der ihn als "Apostel Bayerns" rühmte, ihn adelte und ihn mit diesem Denkmal in Regensburg bedachte. 1821 wurde er in Regensburg Domkapitular, 1822 Generalvikar und Koadjutor und am 28. Oktober 1822 empfing er die Bischofsweihe vom Münchener Erzbischof Lothar Anselm von Gebsattel. 1825 wurde Sailer Dompropst am Regensburger Dom und endlich am 28. Oktober 1829 Bischof von Regensburg. Er starb am 20. Mai 1832.

So sprachen Zeitgenossen/innen über Sailer:

"Sie kennen Sailer nicht, haben ihn nie nennen hören?
Den allgemein Gefeierten, Geliebten, den Philosophen Gottes?!"
Bettina von Arnim

"Täglich, morgens und abends, erbaue ich mich in Sailers Gebetbuch."
König Ludwig I. von Bayern

Gott schenke mir:
Das Herz eines Kindes zum Glauben.
Das Herz einer Mutter zum Lieben.
Das Herz eines Mannes zum Handeln.

Johann Michael Sailer

Steckbrief

Johann Michael Sailer

Feierlich enthüllt: 20. Mai 1868
Ursprünglicher Standort: nördlicher Emmeramsplatz in Regensburg
Standort 1930er-2013: Fürst-Anselm-Allee, Alleengürtel am Bahnhof
2014: Rückführung auf den Emmeramsplatz, 20. Mai 2014
Auftraggeber: König Ludwig I. von Bayern
Sockel/Material: dunkelgrauer Granit
Standbild/Material: Bronze
Größe: 2,9186 m hoch (10 Fuß)

Die Statue Bischof Sailers wurde an
der Fürst-Anselm-Allee vom Sockel gehoben und in die Hallen der Brauerei Bischofshof transportiert, wo sie die Metall-Restauratoren/innen von
Haber & Brandner unter Erhalt der Patina gründlich reinigten.
Zudem wurde das Denkmal mit Mikro-kristallinwachs konserviert, was ihm wieder eine ästhetische Oberfläche verleiht und die plastische Gesamt-wirkung deutlich verbessert.