Castor und Pollux vor dem Haupteingang der Akademie der Bildenden Künste in München, 1886

Die griechischen Jünglinge, Zwillinge göttlicher und menschlicher Herkunft, stehen als überlebensgroße in Bronze gegossene Reiterfiguren rechts und links der Freitreppe zum Haupteingang der Akademie der Bildenden Künste in München.

In der griechischen Mythologie werden sie als Dioskuren bezeichnet. Die Dioskuren, aus dem Griechischen von Dios Kouroi, die Söhne des Zeus, sind die Zwillingsbrüder Kastor und Polydeukes. Ihre lateinischen Namen lauten Castor und Pollux und sie stehen für „unzertrennlich und ewig verbunden“.
Der Hintergrund zur Entstehungszeit dieser Arbeiten ist weitestgehend unbekannt. Zu ihrer symbolischen Bedeutung in Bezug auf die Kunst-Akademie ist bisher ebenso wenig in Erfahrung zu bringen, wie über den mythologischen Zusammenhang.

Sicher ist, dass Widnmann die Bronzefiguren für den Akademie-Neubau des Architekten Gottfried von Neureuther entworfen hat, der 1875 damit beauftragt wurde. Sie sind bereits auf Bauplänen Neureuthers zu finden. 1886 wurde der repräsentative Neubau bezogen, in dem sich die Akademie heute noch befindet – Akademiestraße nahe des Siegestors. Die großzügige Dreiflügel-Anlage wurde nach den Plänen Neureuthers zwischen 1876 und 1885 erbaut.
Widnmann war von 1848 bis 1887 Professor an der Akademie und leitete eine Bildhauerklasse.


Zudem notierte Widnmann in seinen Erinnerungen:

„1885/86, die griechische Mythologie und die nordische Sage, Liegende Figuren, überlebensgroß, für den Giebel des westlichen Seitenportals der neuen Akademie“
.

Beide Giebel-Figuren sind nicht mehr erhalten.

 

 

Widnmann an der Akademie der Bildenden Künste

Maximilian Widnmann folgte 1848 dem Ruf, als Professor an die Akademie der Bildenden Künste in München zu kommen. Er wurde damit zum Nachfolger Schwanthalers benannt. Ab 1849 leitete er dort eine Bildhauerklasse. Zu seinen Schülern zählten u.a. Michael Wagmüller, Carl Friedrich Echtermeier, August Weizenberg, Elisabeth Ney, Hugo Siegwart und viele mehr.

Besonders erwähnenswert ist Widnmanns Schülerin Elisabet Ney. Sie kam im Alter von 18 Jahren als erste und einzige Frau im 19. Jahrhundert an die Akademie nach München in diese reine Männerdomäne. Am 12. November 1852 trat sie ein, so ist es in den Matrikelbüchern der Kunst-Akademie zu finden, und studierte zwei Jahre bei Widnmann in München. Im Anschluss ging sie zu Christian Daniel Rauch nach Berlin und studierte dort weiter. Elisabet Ney war eine ehrgeizige Künstlerin und mit die erste Bildhauerin weltweit, die von ihrem Schaffen leben konnte.

1886 wurde Widnmann kommissarisch für ein Jahr Direktor der Akademie der Bildenden Künste, zwischen Karl von Piloty und Friedrich August von Kaulbach. 1887 ging er als Professor in den Ruhestand, 1888 benannte man ihn zum Ehrenmitglied der Akademie der Bildenden Künste.

Steckbrief

Castor & Pollux

Aufgestellt: 1886
Standort: Freitreppe der Akademie der Bildenden Künste, München
Material: Bronze